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  • Katrin Reichelt

Vom Rausch, die Welt zu retten


Jedes Kind träumt davon: Macht zu haben, stärker zu sein als alle anderen. Als erste(r) durchs Ziel zu gehen. Der Gute zu sein, der alle rettet. Sind wir nicht alle ein bisschen Batman? Schon, ja. Vor allem, weil die Übersetzung "Fledermausmann" bedeutet.


Der Spiegel titelte vor 20 Jahren mit der Geschichte "Die Droge Wichtigkeit". Corona war wie der Brandbeschleuniger an diesem Urbedürfnis des Menschen. Drei Jahre haben sich Politik, Medien und Wissenschaft gegenseitig angefixt. Nun kommt der Entzug.


Ich sehe noch Spahn & Co., die Kanzlerin, die Wissenschaftsexperten in die Pressekonferenzen rauschen, um dem Volk das Maul zu stopfen.

Eingeladen waren die Journalisten, die "auf Linie" waren. Kritische Fragen bügelte der Gesundheitsminister ab, als seien sie dumme Kinder. Und nicht nur das: Die Politik mit ihrer entmenschlichten und entmündigenden Kommunikation schuf die Monster am Gartenzaun und an allen anderen Orten, wo Menschen sich klassischer Weise vorher begegneten. Schule. Supermarkt. Parkbank. Zuhause.

Sie erteilte die unausgesprochene Erlaubnis, nach unten zu treten und in kernigem Ton darauf hinzuweisen, was die "gute Sache" sei und wo der Hammer hängt, wenn man sich ihr nicht verschrieb. "Geben Sie gern Bescheid, wenn Ihnen etwas auffällt…"

"Wir werden einander viel zu verzeihen haben", sagt der damalige Gesundheitsminister am Ende, ohne um Verzeihung zu bitten.


Denunziation wiederauferstanden

Marcus Klöckner und Jens Wernicke haben den Stoff, aus dem Faschismus wächst, in ihrem Buchtitel "Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen" in einem einzigen Satz zusammengefasst. Der wiederum stammt von einem Spiegel-Autoren.


Die Psychologie dahinter


Die Kuh ist leider nicht vom Eis. Lauterbach, Wieler und der Rest vom Fest läuft sich gerade warm, um die nächste Strategie für die nächste Pandemie zu erarbeiten, die noch gar nicht in Sicht ist. Sie soll besser werden als die gegen SARS-CoV-2.

Ich bete, dass es kein Knebel unter der Maske und bitte auch kein Impfzwang sein wird.


Die Expertengruppe ist weiter im Alarmmodus, der irgendwie als Rechtfertigung herhalten muss für die ausbleibende Entschuldigung.

Der kanadische Psychologie-Professor Dr. Jordan Person nennt das den "Peacock-Moment": der Pfau, der sein Rad schlägt. Er hat auch gleich ein Beispiel zur Hand: Als der einstige englische Premierminister Tony Blair eine Rede vor den Vereinten Nationen hielt, stand das Plenum auf und Blair badete in stehenden Ovationen. "Genau in diesem Augenblick konnte man den inneren Shift sehen", sagt Peterson. "Es ging nicht mehr länger um die Sache, sondern nur noch um ihn selbst."


Auf der richtigen Seite stehen


Natürlich ziehen wir es vor, zu denken, dass wir solche Momente nicht kennen. Die Denunziation unserer Mitmenschen spricht eine andere Sprache. Sie sind schneller da, als uns lieb ist, diese Griffe nach der Macht: in der Ehe, mit den Kindern, in der Freundschaft, am Arbeitsplatz. Sie machen aus Mitmenschen plötzlich Untergebene.


Diese Machtversessenheit wieder herzugeben, ist das, was allein in Deutschland für Hunderttausende für ihre Post Covid- und PostVac-Behandlung den Weg frei machen würde. Im Anfang gab es keine Daten. Aber nun wurden bereits sehr viele davon veröffentlicht. Ihre Verleugnung verursacht nicht nur zu allem körperlichen auch noch unendlich viel seelisches Leid für die schwer kranken Patient*Innen. Sie verhindert auch, dass Therapien und bessere Impfstoffe gefunden werden können. "Wer soll denn das bezahlen!", ruft schließlich ein Arzt in der arte-Dokumentation über schwer geschädigte Patient*Innen. Ja, wer denn? Gute Frage.





Im Rausch der Macht


Es scheint nahezu unmöglich zu sein, zurückzurudern und sich einzugestehen, dass wir vielleicht doch nicht so sehr zur Rettung der Lage beitrugen, wie wir gehofft hatten. "Ich könnte falsch liegen" wäre jetzt und auch in Zukunft der Satz, der tatsächlich die Welt rettet: ausgesprochen von jedem einzelnen Menschen, der nicht das ganze Bild gesehen hat (und wer tut das schon!) – für jeden einzelnen Menschen, der dadurch Unrecht erlitten hat.

20 Prozent der Deutschen haben wegen zu großer Meinungsdifferenzen eine(n) wichtige(n) Freund(in) verloren, fand das Sinus-Institut heraus.

Der Riss in unserer Gesellschaft wurde immer tiefer für den kurzen Rausch, sich im Recht zu fühlen. Für das Gefühl, überlegen zu sein, den anderen voraus. Wir tun es gerade wieder, nur in umgekehrter Richtung, seit der ganze Schaden ans Licht kommt. Mit Sätzen wie: "Ich hab's dir ja immer gesagt…"


Der Fisch fängt am Kopf an, zu stinken


Dabei würde genau dieser Ansatz, dass wir einfach immer falsch liegen können, egal, wie unwiderlegbar die Lage zu sein scheint, von Größe zeugen! Viel zu viele Politiker sagen, wir müssten jetzt alle nach vorne schauen. Viel zu viele Wissenschaftler sind nach wie vor davon überzeugt, wie gut die Impfkampagne gelaufen sei und sehen die Konsequenzen als Kollateralschaden. Viel zu viele Ärztinnen und Ärzte erzählen inmitten der unklaren Lage ihren Patienten weiterhin, Long Covid, Post Covid oder Impfschäden seien psychosomatisch. Die täglich angekündigte Aufarbeitung bleibt aus. Was unterm Strich ein noch viel schlimmerer Verrat ist als der Mangel an kritischem Hinterfragen.


Sie fliegen im Karussell der Macht im Kreis und fühlen sich weiterhin im Recht. Weil es sich einfach besser anfühlt. Weil sonst alles umsonst gewesen wäre. Weil die Leere des Falsch-Liegens nach dem vermeintlichen Triumph über das Virus einfach mehr schmerzt als Corona selbst.




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